Wenn das Kind immer nein sagt

2015 lag die statistische Geburtenrate in Deutschland bei 1,5 Kindern je Frau. Dies ist der Höchststand seit 1982.

Die geringe Kinderdichte in Deutschland hat zur Folge, dass immer mehr Menschen unsicher, teilweise überfordert sind, sobald sie selbst Eltern werden.

Der kindliche Gegenwille ist Eltern mit Kindern ab zwei Jahren in aller Regel wohl bekannt.

Kaum ist das Kleinkind alt genug, das Wörtchen „Nein“ zu sagen, macht es auch schon reichlich Gebrauch davon. Nein, nicht schlafen gehen, nein, nicht Windeln wechseln und nein, nicht Zähne putzen.

Aber auch ältere Kinder sträuben sich oft gefühlt gegen alles, was wir ihnen vorschlagen oder auftragen. 

Wollen wir, dass sich das Kind morgens beeilt, um rechtzeitig aufzubrechen, wird es stattdessen immer langsamer und passiver. Vielleicht bricht es gar in Tränen aus und dann geht gar nichts mehr.

Fordern wir es auf, endlich sein Zimmer aufzuräumen, erwidert es vielleicht in patzigem Ton: „Nein, das ist mein Zimmer!“ Oder es beginnt mit uns zu diskutieren. Oder es schiebt die Aufgabe bis ins Unendliche vor sich her: „Ja, ja, später Mama.“ 

Und zum Sonntagsspaziergang mit der Familie möchte es jetzt auch auf keinen Fall mitkommen – „Nein, das ist so langweilig!“

Puh, was soll das? Wir meinen es doch nur gut! Warum nur ist das Kind so störrisch?

Gegenwille

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Dieses Phänomen beschrieb schon Anfang des 20. Jahrhunderts der österreichische Psychoanalytiker Otto Rank als Gegenwille. Ein Jahrhundert später wurde er durch den kanadischen Entwicklungspsychologen Gordon Neufeld wieder aufgegriffen und bekannt gemacht.

Gemeint ist ein instinktiver Widerstand, der sich in uns Menschen automatisch regt, sobald wir uns von jemandem kontrolliert und herumkommandiert fühlen.

Kaum ein Mädchen wurde groß, ohne dass es die Möglichkeit hatte, beiläufig die Rolle als Mutter zu erlernen und einzuüben.

Es mangelte nicht an Gelegenheiten zu beobachten, wie Erwachsene mit Säuglingen umgehen. Ganz selbstverständlich passten die Mädchen (aber sicher auch die Jungen) auf ein Nachbarbaby, den kleinen Cousin oder das eigene jüngere Geschwisterkind auf.

Je mehr Druck, desto größer der Widerstand

Du kennst es sicher aus eurem Familienalltag. Je dringlicher du dein Kind dazu bewegen möchtest, etwas zu tun oder zu lassen, desto unwahrscheinlicher ist es, dass dein Kind deiner Anweisung folgt.

Egal ob es ums Zähneputzen, die Hausaufgaben, die Mithilfe im Haushalt, einen respektvollen Umgang in der Familie oder das Schlafengehen geht – je mehr Druck du aufbaust, desto größer fällt der kindliche Widerstand aus.

Zum Antritt unserer Mutterschaft wissen viele von uns kaum etwas von all den Problemen, die es beim Großziehen der Kinder natürlich schon immer gegeben hat.

Bindung und Gegenwille

Eine intensive Bindung zu einer Person kann diesen Gegenwillen deutlich abmildern. Ein Beispiel: Wenn wir verliebt sind, würden wir so ziemlich alles tun, um den Erwartungen der geliebten Person zu entsprechen.

So sehen auch gut gebundene Kinder die an sie gerichteten elterlichen Erwartungen oft eher als Chance, den Eltern zu gefallen und so die Bindung zu ihnen noch weiter zu intensivieren.

Ist die Eltern-Kind-Bindung allerdings gerade durch irgendeinen Umstand geschwächt, kann die gleiche elterliche Erwartungshaltung vom Kind als unerträglicher Zwang interpretiert werden. Es geht dann instinktiv in eine oppositionelle Haltung.

Benimmt sich ein Kind in diesem Rahmen also „daneben“, hat das Kind weder einen schlechten Charakter noch haben die Eltern zwingend etwas „Falsches“ gesagt oder getan. Es ist vielmehr ein Hinweis darauf, dass auf der Beziehungsebene gerade etwas im Argen liegt.

Bindungslücken

Manchmal ist die Bindung zwischen Elternteil und Kind gestört. Diese sogenannten Bindungslücken treten auf, wenn das Bedürfnis des Kindes an elterliche Bindung nicht ausreichend gesättigt ist.

Das kann geschehen durch

  • mangelnde Präsenz der Bezugsperson und zu wenig körperliche Nähe (Beispielsweise, wenn ein neues Geschwisterkind dazukommt, das die Eltern fordert und diese nicht genügend Unterstützung von außen erhalten)
  • mangelnde Feinfühligkeit der Bezugsperson (z. B. weil sie zwar physisch präsent ist, aber dabei hauptsächlich in das Handy starrt oder mit dem Kopf ganz woanders ist)
  • Ablehnung des Kindes (weil es sich in den Augen der Bezugsperson „falsch“ verhält oder das „falsche“ Temperament mitbringt)
  • zu viel Schimpfen, Kritisieren und Beschämen des Kindes
  • den Missbrauch des kindlichen Vertrauens (zum Beispiel, wenn wir die kindliche Kooperationsbereitschaft nur ausnutzen, um unseren Willen durchzuboxen und die kindlichen Interessen einfach übergehen)

Ist die Bindung entsprechend aus dem Gleichgewicht geraten, kann es sein, dass das Kind darauf mit einem sehr ausgeprägten Gegenwillen reagiert.

Wozu ist der kindliche Gegenwille eigentlich gut?

Fremden nicht trauen

Der Gegenwille ist ein instinktives Verhalten, das wir Menschen in uns tragen, um uns nicht von Fremden, also Personen, zu denen wir keine Bindung haben, beeinflussen zu lassen. 

Naturgemäß kooperieren wir gerne mit den Menschen, mit denen wir uns gerade verbunden fühlen und sträuben uns gegen Annäherung und Anweisungen von Fremden.

Aus diesem Gegenwillen heraus, beginnen kleine Kinder zu fremdeln. Sie hüpfen also nicht bereitwillig jedem Erwachsenen auf den Schoß. Erst, wenn die Eltern eine Weile freundlich und vertrauensvoll mit der fremden Person interagiert haben, traut sich das kleine Kind eventuell ebenfalls vorsichtig mit ihr in Kontakt zu treten.

Das ist erstmal sehr beruhigend. Denn natürlich ist es in unserem Sinne, wenn unser Kind beispielsweise auf dem Schulweg nicht einfach mit fremden Leuten mitgeht. Wie gut, dass dieser natürliche Schutzinstinkt unseren Kindern innewohnt.

Warum wendet sich dieser Gegenwille dann so oft gegen uns, die primären Bindungspersonen des Kindes?

Raum für Autonomie

Der Gegenwille hat noch einen weiteren Zweck. Im Laufe der Kindheit hat unser Nachwuchs die Aufgabe, sich aus seiner absoluten Abhängigkeit von den primären Bezugspersonen nach und nach zu lösen. 

Er soll sich mit der Zeit immer besser kennenlernen und dann zunehmend für sich selbst gesunde Entscheidungen treffen können. Das muss natürlich reichlich geübt werden. Irgendwann wird das Kind erfahren genug sein und basierend auf diesem Training selbstständig leben können. 

Während der Kindheit entwickelt das Kind zu diesem Zweck nach und nach seinen eigenen Willen.

Das ist sehr wichtig. Das Kind übt, auf seine eigenen Gefühle und Bedürfnisse zu achten und entwickelt seine eigenen Vorlieben und Abneigungen. Es entsteht so mit der Zeit eine Art innerer Kompass, eben der eigene Wille, durch den wir dafür Sorge tragen können, dass es uns gut geht. 

Das ist die Grundvoraussetzung, um später ein selbstständiges und gesundes Erwachsenenleben führen zu können.

Wenn das Kind zu unseren Aufforderungen immer wieder „Nein“ sagt, verschafft es sich dadurch einen Schutzraum, indem sich dieser eigene Wille mit der Zeit entfalten darf.

Wenn es nicht sofort dem nachkommt, was wir ihm auftragen, hat es Gelegenheit, sich zu überlegen, wie es selbst dazu steht und wie es sich aus freien Stücken heraus entscheiden möchte.

Ein Beispiel wäre, wenn wir das Kind auffordern, sein Gemüse zu essen. Dann sagt das Kind vielleicht sogleich „nein“. Was das Kind instinktiv erreichen möchte, ist, dass es die Gelegenheit erhält, selbst in sich hineinzuspüren, ob es noch Hunger hat und weiter essen möchte, und ob es das angebotene Lebensmittel mag oder ablehnt. 

Es ist sehr gesund, wenn das Kind frühzeitig Verantwortung für sich selbst übernehmen darf. Denn wir können uns ja nicht stellvertretend in seine körpereigenen Feedbacksysteme hineinfühlen. 

Leider hat die Natur nicht damit gerechnet, dass eines Tages ungesunde Industriezuckerprodukte als Konkurrenznahrungsmittel zur Verfügung stehen könnten. Aber das ist wieder eine andere Geschichte …

Ich kann mich noch sehr gut erinnern, wie wichtig es meinem Vater war, dass ich für mich neue Lebensmittel „wenigstens mal probiere“. Dieser auf mich gerichtete Erwartungsdruck hat in mir, einem eigentlich sehr folgsamen Kind, einen erstaunlich starken Gegenwillen erregt und ich habe mich beharrlich und erfolgreich geweigert.

Typisches Alter, in dem Gegenwille auftritt

Besonders stark ist der Gegenwille in der sogenannten Autonomiephase.  Diese tritt im Kleinkindalter auf, wenn das Kind entdeckt, dass es ein eigenständiges, von den Eltern getrenntes Individuum ist. 

Einen zweiten Höhepunkt erreicht der Gegenwille dann nochmal in der Pubertät bzw. in der Vorpubertät, wenn das Kind sich intensiv darauf vorbereitet, bald eigene Wege zu gehen. 

Noch kann es sich im geschützten Rahmen der Familie ausprobieren und wird hier immer wieder aufgefangen, falls etwas schief geht. Der Gegenwelle ist ein mächtiger Instinkt, der dabei hilft, dass solche eigenen Erfahrungen auch tatsächlich gesammelt werden.

Aber der Gegenwille ist auch in den Kinderjahren dazwischen, ja sogar noch später, im Erwachsenenalter präsent.

Gegenwille ist keine Stärke

Nimm Unterstützung an

Der Gegenwille ist nichts, was ein Kind bewusst steuern kann, sondern ein unwillkürlich ablaufender Mechanismus, der das Kind vor Übergriffen anderer schützen soll.

Gerne interpretieren wir Erwachsenen es so, als hätte das sich gegen alles quer stellende Kind die Macht über die ganze Familie inne. Es ist oft von kleinen Tyrannen die Rede.

Dann übersehen wir aber, dass dieser Gegenwille aus einer Bedürftigkeit heraus erwächst. Das Kind ist noch sehr abhängig von uns. 

Es versucht sich lediglich einen Raum zu schaffen, indem es sich ausprobieren, sich kennenlernen kann. Wir können es dabei unterstützen, statt diese Bestrebungen zu bekämpfen.

Die Aufmerksamkeit des Kindes ist gerade auf etwas anderes gerichtet

Wie schon beschrieben, tritt der Gegenwille immer dann auf, wenn jemand, mit dem sich das Kind gerade nicht verbunden fühlt, ihm gegenüber versucht, eine Forderung mit Macht durchzudrücken.

Dieses „sich nicht verbunden fühlen“, kann auch rein temporär sein. Vielleicht hast du grundsätzlich eine sehr gute Beziehung zu deinem Kind. Aber wenn das Kind gerade in ein Spiel vertieft ist, dann ist es gerade in dem Moment damit verbunden und nicht mit dir.

Rufst du in diesem Moment in den Raum, dass es sich jetzt anziehen soll, weil du los möchtest, dann fühlt es sich von dir herumkommandiert und der Gegenwille regt sich instinktiv. Dein Kind reagiert verärgert und wählt einen entsprechend rüden Umgangston.

Warum du kindlichem Gegenwillen besser nicht mit Gewalt oder Manipulation begegnen solltest

Die Bindung zwischen dem Kind und seiner Bezugsperson führt beim Kind zu einer intrinsischen Motivation. Es möchte aus sich selbst heraus dieser ihm wichtigen Person nacheifern und ihr gefallen. 

Dadurch haben die Eltern eine natürliche Autorität, mit der sie das Kind führen können, immer basierend auf einem gut gepflegten Band des gegenseitigen Vertrauens. 

Was die meisten unserer Generation allerdings selbst erlebt haben und daher auch in der eigenen Elternrolle oft erstmal als normales und notwendiges Erziehungsverhalten ansehen ist Lob und Tadel, Strafe und Belohnung. 

Wer nicht freiwillig den Tisch deckt, das Zimmer aufräumt oder Hausaufgaben macht, dem wird entweder eine Belohnung in Aussicht gestellt oder er wird bestraft.

Typische manipulative Sätze, die dir vielleicht bekannt vorkommen: 

  • „Wer seinen Teller aufgegessen hat, bekommt noch einen Nachtisch!“
  • „Wenn du gleich bei Tante Helga artig bist, habe ich später eine Überraschung für dich.“
  • „Wenn du jetzt das Spielzeug aufräumst, kann ich dir danach noch etwas Schönes vorlesen.“

Wo das Zuckerbrot nicht mehr funktioniert, werden Strafen angedroht:

  • „Du darfst dich so lange nicht mehr mit deinen Freunden verabreden, bis du dein Zimmer aufgeräumt hast.“
  • „Wenn du deine Hausaufgaben nicht machst, dann gibt’s auch kein Fernsehen. So einfach ist das!“
  • „Wenn du so bist, dann hat Oma dich nicht mehr lieb!“

Vielleicht wurdest du auch einfach in ein Zimmer gesteckt, bis du wieder „normal“ warst oder deine Bezugsperson hat dich erst mal wie Luft behandelt, sobald sich dein Gegenwille gezeigt hat. Das Ignorieren des Kindes bei „schlechtem“ Verhalten wurde (leider nicht nur) früher als clevere, weil wirksame Erziehungsmethode hoch angesehen.

Zwang und Manipulation, und sei es „nur“ durch Lob, ist ein Versuch, das Kind durch externen Druck dazu zu bringen, unserem Willen zu entsprechen.

Kinder verhalten sich so, wie es ihnen ihre intrinsische Motivation diktiert.

Und Erwachsene reagieren darauf oft mit den oben erwähnten Erziehungsmaßnahmen, sobald sie dieses Verhalten als nicht adäquat bewerten.

Leider führen weder Belohnungen noch Strafen dazu, dass das Bindungsband zwischen Kind und Bezugsperson reaktiviert wird. Im Gegenteil, das Kind bekommt vermittelt, dass wir ihm nicht vertrauen, eigene Entscheidungen treffen zu können, und wir es von außen auf Schritt und Tritt kontrollieren müssen. Das befriedigt keins der beiden menschlichen psychischen Grundbedürfnisse: Autonomie und Verbundenheit.

Es mag kurzfristig funktionieren, dass das Kind auf diese Manipulationsversuche anspringt. Ohne eine gesunde Bindung wird sich der kindliche Gegenwille in der Beziehung jedoch immer stärker zeigen und es werden immer größere Belohnungen und immer härtere Bestrafungen nötig, um das Verhalten des Kindes im Zaum zu halten. Eltern und Kind geraten so in eine Negativspirale.

Das hat häufig zur Folge, dass die Eltern sich ihren Kindern gegenüber machtlos fühlen. Die Kinder sind immer dagegen, fordern für jeden Gefallen Belohnungen, manipulieren und kommandieren. 

In Wahrheit liegt diese Machtlosigkeit der Eltern in der mangelhaften Bindung zum Kind begründet. Denn diese würde den Eltern automatisch eine natürliche Autorität verleihen. Die Anwendung von Zwang und Manipulation dagegen beschädigt diese Eltern-Kind-Beziehung massiv.

Raus aus dem Teufelskreis – rein in die Beziehung

Um aus diesem Teufelskreis auszusteigen, müssen wir Erwachsenen verstehen, dass das Kind weder „böse“, „falsch“ noch „schlecht erzogen“ ist. Stattdessen reagiert es einfach ganz instinktiv, wie es die Natur ihm diktiert. Es kann dieses Verhalten gar nicht willentlich steuern.

Wir als Erwachsene müssen hier die Verantwortung übernehmen und unser Verhalten dem Kind gegenüber verändern. Wenn es uns gelingt, die Bindung wieder ausreichend erstarken zu lassen, dann wird uns das Kind gerne und aus einer intrinsischen Motivation heraus folgen.

Fragst du dich, wie eine solche Bindung, wie das „richtige“ Verhalten dem Kind gegenüber konkret aussehen kann?

Suche nach Vorbildern

Wahrscheinlich hast du selbst dieses Phänomen schon erlebt. Sicher bist du als Kind auch Erwachsenen begegnet, für die du alles getan hättest. Jemand, bei dem du das Gefühl hattest, rundum gut zu sein, so wie du bist. Vielleicht war es dein Opa, eine kinderlose Tante oder einfach ein Erwachsener aus der Nachbarschaft, mit dem du gerne Zeit verbracht hast? 

Versetze dich nochmal in dieses Erlebnis. Was hat dich dazu gebracht, dich in dieser Beziehung stets von deiner besten Seite zu zeigen? Gab es da ein besonderes Band zwischen dir und der Person? Was genau hat sie getan, um das zu erzeugen?

In meinem Leben gab es beispielsweise mal einen Lehrer, bei dem ich das Gefühl hatte, dass er mich für außerordentlich klug und talentiert hielt. Ich konnte gar nicht anders, als mich in diesem (Neben-!) Fach voll reinzuhängen, um das mir entgegengebrachte Vertrauen nicht zu enttäuschen. 

Plötzlich interessierte mich dieses Schulfach brennend und ich lernte spielend leicht. Leider erlosch dieses besondere Interesse nach einem Lehrerwechsel schnell wieder.

Ich kannte diesen Lehrer nicht privat, sondern nur aus dem Unterricht. Es war in erster Linie die Haltung, die dieser Lehrer mir entgegenbrachte, die dieses Bindungsband zwischen uns erzeugte. So wurde in mir das instinktive Verhalten getriggert, den Erwartungen entsprechen zu wollen.

Mit diesem Beispiel will ich zeigen, dass es nicht etwa harte und zeitaufwändige Arbeit braucht, um eine entsprechende Beziehung zum Kind zu gestalten. Es kommt vor allem auf die Haltung an. Ändert sie sich, bewirkt das auch Veränderung in den Verhaltensweisen des Kindes uns gegenüber. 

Lass mich die Quintessenz nochmal in fünf konkreten Handlungsweisungen zusammenfassen.

5 Tipps, wie du mit dem kindlichen Gegenwillen umgehen kannst

1. Nicht persönlich nehmen

Dein Kind will dir nicht eins auswischen, und es hasst dich auch nicht. Es ist ein tief in deinem Kind verankerter Instinkt, der es zu diesem „anstrengenden“ Verhalten treibt. Es gibt keinen Grund, deinem Kind dieses instinktive Verhalten etwa durch Strafen austreiben zu wollen.

Dein Kind ist nicht „falsch“ und du bist auch nicht „falsch“. Es hakt nur gerade etwas auf der Beziehungsebene.

2. Unterstütze dein Kind, seinen eigenen Willen zu entwickeln

Wann immer es möglich ist, lass deinem Kind die Gelegenheit, selbst für sich Entscheidungen zu treffen. Stelle ihm gerne Fragen, die es dazu anhalten, in sich hineinzuspüren, was ihm guttut: „Geh doch mal raus vor die Tür und fühle, ob du eine Jacke brauchst oder nicht.“

Lass es so viele eigene Erfahrungen sammeln, wie es möchte (solange es nicht zu gefährlich ist) und sei dann einfach für dein Kind da, wenn etwas – wie du es vielleicht schon vorhergesehen hattest – schief geht. Dein Kind ist wieder um eine Erfahrung reicher geworden, und du konntest ihm beweisen, dass du für es da bist, wenn es drauf ankommt.

3. Aktiviere das Bindungsband

Wenn du dein Kind zu etwas bewegen möchtest, dann schau erst mal, womit dein Kind gerade gebunden ist. Aktiviere das Bindungsband zwischen euch, indem du dich kurz zu ihm in seine Welt begibst. Lass dir zum Beispiel erklären, was es gerade spielt. 

Erst, wenn du merkst, dass da eine Verbindung zwischen euch zu spüren ist, forderst du dein Kind auf, z. B. jetzt mit dir aufzubrechen oder zum Abendessen zu kommen.

4. Verzichte auf Strafen und Einschüchterung

Eigentlich würdest du jetzt gerne meckern, schimpfen und strafen, um das Verhalten deines Kindes wieder unter Kontrolle zu bringen. Das ist jetzt aber kontraproduktiv. Du treibst damit nur einen tieferen Keil in die Beziehung zwischen deinem Kind und dir.

Sieh das auflehnende Verhalten stattdessen als Signal, dass die Bindung zwischen euch jetzt gerne durch kleine liebevolle Gesten deinerseits wieder aktiviert werden darf.

5. Stärke die Bindung zu deinem Kind

Sorge für gemeinsame Aktivitäten, die eure Bindung stärken, weil ihr sie beide genießen könnt. Halbherziges Legospielen aus schlechtem Gewissen deinem fordernden Kind gegenüber, ist damit nicht gemeint. 

Dein Kind fordert vielleicht das Legospiel, es hat aber das Bedürfnis mit dir in echten liebevollen Kontakt zu treten. Es braucht deine Präsenz im Hier und Jetzt. Wenn du selbst auf die geforderte Weise nicht gerne Zeit mit deinem Kind verbringst, dann suche lieber nach einer anderen Möglichkeit, wie du wirklich von Herzen gerne Zeit mit deinem Kind verbringst.

Weitere Wege, das Band zwischen dir und deinem Kind zu stärken, findest du in diesem Blog-Artikel. Wenn du noch weitergehen willst, nimm am kostenlosen Minikurs „Starke Beziehung zu meinem Kind“ teil . 

Wie sehen deine Begegnungen mit dem Gegenwillen deines Kindes aus? Und wie hast du einen guten Umgang damit gefunden bzw. woran verzweifelst du immer noch? Ich freue mich über deinen Kommentar!

Wie sind deine Gedanken zu dem Thema? Hast auch du die Erfahrung gemacht, dass erfahrenere Mütter häufig entspannter sind? Ich freue mich über deinen Kommentar.

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Lena Franck

Ich bin Mama-Coach und selbst Mama dreier Kinder, die 8 Jahre, 6 Jahre und fast 2 Jahre alt sind. Ich unterstütze Mamas dabei, sich wieder zufriedener und ausgeglichener zu fühlen, um für ihre Kinder endlich die entspannte und fröhliche Mama sein zu können, die sie sich eigentlich für sie wünschen. Denn eine zufriedene Mama ist die beste Mama, die du sein kannst!

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