Wie unsere eigene Kindheit die Beziehung zu unseren Kindern beeinflusst

Wie unsere Kindheit die Beziehung zu unseren Kindern beeinflusst

Häufig überkommen uns im Umgang mit unseren Kindern ganz plötzlich heftige Gefühle. Wir verhalten uns dann nicht wie die Eltern, die wir eigentlich sein wollen.

Solche Situationen entstehen, wenn uns unser Unterbewusstsein „überrumpelt“. Es glaubt, eine Bedrohung liege vor, schaltet sich ein und übernimmt das Steuer.

2015 lag die statistische Geburtenrate in Deutschland bei 1,5 Kindern je Frau. Dies ist der Höchststand seit 1982.

Die geringe Kinderdichte in Deutschland hat zur Folge, dass immer mehr Menschen unsicher, teilweise überfordert sind, sobald sie selbst Eltern werden.

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Wir fühlen uns wie fremdgesteuert

Das ist nicht besonders erstaunlich, denn über 95 Prozent unseres Verhaltens wird unterbewusst geregelt. Zudem reagiert das Unterbewusstsein sehr schnell. Es hat bereits eine Reaktion parat, ehe wir eine Situation überhaupt bewusst wahrnehmen können.

Das ist wunderbar, denn das Unterbewusstsein arbeitet schnell und effizient. Während das bewusste Denken 80 Prozent der Energie unseres Gehirns verschlingt, benötigt das Unterbewusstsein für die unzähligen automatisch getroffenen Entscheidungen lediglich 20 Prozent der Energie.

Ohne diesen unermüdlichen Einsatz unseres Unterbewusstseins wären wir überhaupt nicht lebensfähig.

Unangenehm fällt es jedoch in Situationen auf, in denen das Unterbewusstsein sich anders entscheidet, als wir es mit unserem reflektierten Ich gerne entschieden hätten. Wenn wir zum Beispiel aus einem Impuls heraus unsere Kinder anschreien, dann ärgern wir uns oft hinterher über uns selbst.

Kaum ein Mädchen wurde groß, ohne dass es die Möglichkeit hatte, beiläufig die Rolle als Mutter zu erlernen und einzuüben.

Es mangelte nicht an Gelegenheiten zu beobachten, wie Erwachsene mit Säuglingen umgehen. Ganz selbstverständlich passten die Mädchen (aber sicher auch die Jungen) auf ein Nachbarbaby, den kleinen Cousin oder das eigene jüngere Geschwisterkind auf.

Die Entstehung des Unterbewusstseins

Unser Gehirn speichert von Anfang an all unsere Erfahrungen, Wahrnehmungen, Gefühle und Reize unterbewusst ab. Die Jahre der frühen Kindheit prägen uns ganz besonders. In dieser Zeit eignen wir uns Denk- und Verhaltensmuster an, die häufig auch in unserem Erwachsenenleben noch wirken, ohne dass wir uns dessen bewusst sind.

Als Kinder entwickeln wir ein inneres Konzept über uns und die Welt. Dieses wird vor allem durch unsere Beobachtung von und Interaktion mit unseren Eltern und anderen engen Bezugspersonen beeinflusst. 

Alles was unsere Vorbilder zu glauben scheinen, übernehmen wir ungefiltert als „Realität“. Handlungsmuster, die sich in dieser Zeit zur Erfüllung unserer Grundbedürfnisse bewähren, werden dauerhaft in unser Verhaltensrepertoire aufgenommen.

Zum Antritt unserer Mutterschaft wissen viele von uns kaum etwas von all den Problemen, die es beim Großziehen der Kinder natürlich schon immer gegeben hat.

Welche Überzeugungen und Verhaltensstrategien wir uns dabei zu eigen machen, hängt von vielen Faktoren ab. 

Wir bringen genetisch schon gewisse Veranlagungen mit – zum Beispiel hinsichtlich unseres Temperaments – die sich in unserem Verhalten schon von Anfang an zeigen. 

Das interpretieren unsere Bezugspersonen vor dem Hintergrund ihrer eigenen Erfahrungen, Überzeugungen, Veranlagungen und den jeweiligen Lebensumständen. 

Entsprechend verhalten sie sich dann uns gegenüber, was wiederum unsere eigenen Überzeugungen und Verhaltensweisen formt. Darin liegt letztlich der Prozess, der üblicherweise als „Sozialisation“ oder „Erziehung“ bezeichnet wird.

Überzeugungen

Von unseren Eltern übernehmen wir oft unbewusst Lebensregeln. Sie vermitteln uns vielleicht, dass „ein Indianer keinen Schmerz kennt“, dass „das Leben kein Ponyhof ist“, dass nur wer „hart arbeitet“ etwas leistet oder dass gute Schulnoten eine sichere Zukunft verheißen. 

Solche häufig wiederholte Weisheiten haben wir oft in unserem Unterbewusstsein als Wahrheiten abgespeichert, ohne sie zu hinterfragen.

Zudem entwickeln wir unser Selbstbild aus der Rückmeldung unseres Umfelds heraus.  

Waren unsere Eltern in unserem Beisammensein häufig gut gelaunt, umsorgten uns mit liebevoller Aufmerksamkeit und zeigten uns, dass sie mit uns rundum zufrieden waren, dann tragen wir wahrscheinlich heute noch das positive Grundvertrauen in uns, sodass wir, so wie wir sind, den Ansprüchen anderer genügen können.  

Vielleicht herrschte in unserer Familie aber auch eine gestresste Atmosphäre. Wir haben als Kind immer wieder gehört „du machst uns nichts als Ärger“ oder „du bist zu nichts nutze“, bis wir es selbst verinnerlicht hatten. So verankerte sich in uns vielleicht der Glaubenssatz „Ich bin nicht wertvoll.“.

Das sind nur zwei Beispiele, um zu illustrieren: Was auch immer uns über uns vermittelt wurde, wir haben dies in unserer Kindheit in unserem Selbstkonzept, also der Idee, die wir von uns selbst haben, verinnerlicht und tragen diese Überzeugungen noch als Erwachsene in uns.

Schützende Verhaltensstrategien

Alle Menschen trachten danach, sich ihre psychischen Grundbedürfnisse zu erfüllen: Bindung, Selbstwerterhöhung bzw. - erhaltung, Kontrolle und Lustgewinn bzw. Unlustvermeidung.

Als Kinder werden wir in der Erfüllung unserer Bedürfnisse frustriert. Nicht immer steht uns unsere engste Bezugsperson zur Verfügung, uns gelingt nicht alles so, wie wir es uns wünschen, wir fühlen uns von den Eltern bevormundet und wir können nicht immer nur das tun, was uns gerade Spaß macht. 

Um sich vor den damit einhergehenden unangenehmen Gefühlen zu schützen, retten wir uns entweder auf die Seite der Autonomie, also der Unabhängigkeit (bei Kleinkindern oft als Trotz beschrieben) oder auf die Seite der Bindung, also der emotionalen Abhängigkeit.

Dadurch können verschiedene Schutzstrategien entstehen: Wir fangen an, emotionale Kontakte zu vermeiden, wir versuchen perfekt zu sein, wir passen uns anderen in übertriebenem Maße an, wir gehen in aktiven oder passiven Widerstand aus Angst vor Unterlegenheit, wir ziehen uns in uns selbst zurück, wir flüchten uns in die Sucht oder wir stellen uns narzisstisch zur Schau, um unser schwaches Selbstwertgefühl zu übertünchen. 

Wir mussten uns solche Strategien als Kind zulegen, um mit der Frustration unserer Bedürfnisse zurecht zu kommen. Heute sind wir allerdings keine abhängigen Kinder mehr, sodass sich einige Strategien als für unsere persönliche Entwicklung hinderlich herausstellen können.

Geburt unseres Kindes

Mit der Geburt unseres Kindes wurde uns die Verantwortung für eine kleine Persönlichkeit gegeben, die wir prägen werden, – ob wir wollen oder nicht. 

Auf dieses Kind treffen wir nun mit unserer eigenen, in der Kindheit geformten Persönlichkeit, inklusive aller unbewusst eingebrannten Überzeugungen und Verhaltensweisen.

Nehmen wir an, wir lesen ein Buch mit den neuesten Forschungserkenntnissen darüber, wie wir idealerweise mit unseren Kindern umgehen sollten, damit sie sich gut entwickeln können. Auf dieser Basis entscheiden wir uns für einen liebevollen, ermutigenden Umgang mit unserem Kind.

Doch dann sind wir von uns selbst geschockt. Wir verhalten uns nicht so, wie wir es bewusst entschieden haben?! Wie kann das sein?

Vom Unterbewusstsein überrumpelt

Ein Beispiel: Dein Kind lässt im Supermarkt mit lautem, wütendem Gebrüll seinen Gefühlen freien Lauf, weil du ihm den Schokoriegel vorenthältst? 

Dich macht dieses Verhalten wiederum furchtbar wütend. Du hast das Gefühl, dein Kind unbedingt „abstellen“ zu wollen, um die Kontrolle wiederzuerlangen. Du fauchst ihm die fiesesten Wenn-Dann-Drohungen entgegen, die dir einfallen, oder du gibst ihm schnell den Schokoriegel in die Hand, nur damit endlich Ruhe ist.

Dabei weißt du im Grunde ganz genau, dass es sich um ein ganz normales, für das Alter angemessenes Verhalten in der Autonomiephase handelt. Dein Kind wird mit der Zeit lernen, mit seiner Frustration besser umzugehen. Deshalb möchtest du "eigentlich" empathisch reagieren und es in seinen Gefühlen liebevoll begleiten.

Warum versetzt dich diese Situation bloß so in Stress?

Vielleicht hat man dir als Kind vermittelt, dass man seine Gefühle nicht zeigen darf, schon gar nicht lauthals in der Öffentlichkeit. Möglicherweise hast du dir sogar antrainiert, negative Gefühle in deinem Inneren gar nicht erst wahrzunehmen, weil es dir so wichtig war, dieser Anforderung deiner Eltern zu entsprechen.

Und was macht dein Kind? Es konfrontiert dich mit deiner unbewussten Überzeugung. Dein Kind verhält sich, wie sich ein Kind in der Autonomiephase nun einmal verhält, wenn es frustriert wird. Aber noch ehe du darüber nachdenken kannst, wie du reagieren möchtest, hat dein Unterbewusstsein sich schon für einen Weg entschieden – auf Basis deiner in der Kindheit erworbenen Glaubenssätze und den erlernten Strategien.

Aus alten Mustern ausbrechen

Zum Glück ist es mit viel Reflektion und Training möglich, aus unbewusst verinnerlichten Reaktionsmustern auszubrechen. Wir müssen uns dazu bewusst werden, welche Glaubenssätze es sind, von denen wir uns reflexhaft in Stresssituationen im Umgang mit unseren Kindern leiten lassen. 

Wenn wir uns klarmachen, warum uns diese Überzeugungen in früheren Situationen dienlich waren, und zugleich erkennen, dass sie uns in der jetzigen Lebenslage nicht weiterbringen und dass sie unseren Werten, wie wir mit unseren Kindern umgehen möchten, widersprechen, können wir uns davon bewusst lösen.

Es kann hilfreich sein, stattdessen neue, positive Überzeugungen zu formulieren und diese zu verinnerlichen, indem wir sie mindestens 30 Tage lang immer wieder laut aussprechen.

Ist es dir gelungen, die hinderlichen Glaubenssätze loszuwerden, ist der Weg frei und du kannst neue Verhaltensweisen einstudieren, die eher deinem bewusst gewählten Umgangsstil mit deinem Kind entsprechen.

Deine Glaubenssätze kannst du beispielsweise mithilfe von Selbstlernbüchern (siehe dafür die Buchempfehlungen) überwinden oder du holst dir Unterstützung von einer anderen Person, zum Beispiel einen Coach, der dich durch den Prozess führt.

Nimm Unterstützung an

Wie sind deine Erfahrungen: Kennst du auch solche Situationen im Umgang mit deinen Kindern, wenn dich deine Gefühle übermannen und du anders reagierst, als es dir lieb ist?

Wie sind deine Gedanken zu dem Thema? Hast auch du die Erfahrung gemacht, dass erfahrenere Mütter häufig entspannter sind? Ich freue mich über deinen Kommentar.

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Was dir – genau wie den Schimpansinnen – helfen kann, ist ein soziales Netzwerk, das dich unterstützt und dich in harten Zeiten auffängt. Nimm daher jede Gelegenheit wahr, Familienbande, Freundschaften und deinen Bekanntenkreis zu pflegen. So fällt es dir leichter, um Hilfe zu bitten und Unterstützung zu erhalten. Du musst es nicht alleine schaffen.

Lena Franck

Ich bin Lena Franck, 36 Jahre alt, Mama-Coach und selbst Mama zweier wunderbarer Mädchen, aktuell drei und fünf Jahre alt. Bist auch du eine Mama, die ihre Familie über alles liebt, und dennoch den Alltag oft als belastend, stressig, fremdbestimmt empfindet? Ich möchte dich mit meiner Arbeit stärken. Ich zeige dir Wege auf, wie du dein Leben wieder aktiv in die Hand nehmen kannst. Das macht dich zufriedener, ausgeglichener und damit letztlich zu einer geduldigeren Mutter und attraktiveren Partnerin. Mehr über mich

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