2015 lag die statistische Geburtenrate in Deutschland bei 1,5 Kindern je Frau. Dies ist der Höchststand seit 1982.

Die geringe Kinderdichte in Deutschland hat zur Folge, dass immer mehr Menschen unsicher, teilweise überfordert sind, sobald sie selbst Eltern werden.

Alle Eltern wünschen sich, dass ihre Kinder selbstbewusst durchs Leben gehen. Aber nicht alles, was Eltern wohlmeinend tun, stärkt auch tatsächlich das Selbstbewusstsein ihrer Kinder.

Welche Fehler häufig gemacht werden und was wir Eltern stattdessen tun können, um selbstischere Kinder zu haben, soll dieser Beitrag verdeutlichen.

Symptome für mangelndes Selbstvertrauen

Vielleicht beobachtest du voller Sorge bei deinem Kind das ein oder andere der folgenden Symptome und befürchtest mangelndes Selbstvertrauen:

  • Rastet dein Kind aus, wenn es etwas in seinen Augen nicht „gut genug“ hinkriegt?
  • Reagiert es sehr empfindlich auf die leiseste Kritik?
  • Ist es für dein Kind kaum zu ertragen, zu verlieren oder „schlechter“ zu sein als seine Geschwister oder andere Kinder?
  • Möchte dein Kind Herausforderungen gar nicht erst angehen, aus Angst vorm Versagen und sagt: „Ich kann das nicht!“, statt es auszuprobieren oder zu üben?
  • Macht es einen Bogen um alles Neue?
  • Scheint dein Kind süchtig nach Lob und Anerkennung zu sein?
  • Wirkt dein Kind sehr schüchtern und traut sich nicht, auf andere zuzugehen?
  • Sieht dein Kind überall Gefahren und ist sehr ängstlich?
  • Sagt es Dinge wie: „Mich mag ja eh keiner!“?
  • Lässt es sich von anderen herumkommandieren und markiert seine Grenzen nicht?

Falls du eine oder mehrere dieser Verhaltensweisen von deinem Kind kennst, dann fühlst du dich vielleicht schuldig. Kann es sein, dass du als Mutter versagt und es versäumt hast, deinem Kind ein gutes Selbstwertgefühl zu vermitteln? 

Stopp – so einfach ist es nicht! 

Veranlagung oder Umwelt – woran liegt’s?

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Kinder kommen mit sehr unterschiedlichen Persönlichkeiten auf die Welt und nehmen sich selbst und ihre Umgebung auf höchst unterschiedliche Weise wahr. 

Die genetischen Veranlagungen und Umwelteinflüsse sind komplex miteinander verwoben, sodass man sie nicht auseinanderhalten kann.
Ein Beispiel, um das zu verdeutlichen:

Es kommt vor, dass ein Kind mit einer so hohen Sensibilität auf die Welt kommt, dass es von Geburt an ganz normale Umweltreize als chaotisch und bedrohlich wahrnimmt. Deshalb schreit dieses Baby sehr viel und die Eltern können es kaum beruhigen. 

Die Eltern fühlen sich dann inkompetent und gestresst, was sich wiederum destabilisierend auf das Baby auswirkt. Das Kind erlebt in dieser frühen Lebensphase, dass die Eltern nicht feinfühlig auf das Kind eingehen können, dass es sich die meiste Zeit nicht wohl und sicher fühlt (auch wenn genau das für dieselben Eltern mit einem weniger sensiblen Kind ein Leichtes wäre).

Es kann sein, dass dieses Kind sein ganzes Leben lang viel schneller gestresst sein wird als andere, sich häufig unverstanden fühlt und ein geringes Selbstvertrauen entwickelt.

Und was meinst du: Liegt das nun an seinen Genen oder daran, wie die Eltern und andere Personen mit dem Kind umgehen? Irgendwie alles zusammen, oder?

Kaum ein Mädchen wurde groß, ohne dass es die Möglichkeit hatte, beiläufig die Rolle als Mutter zu erlernen und einzuüben.

Gib dir also nicht die Schuld daran, wenn dein Kind ein geringes Selbstwertgefühl zu haben scheint.

Du gibst dein Bestes, um deinem Kind zu helfen mit seiner Veranlagung gut in dieser Umwelt zurechtzukommen – und das zählt!

Gleichzeitig kannst du das Selbstbewusstsein deines Kindes, egal wie es veranlagt ist, stark positiv beeinflussen. Und das ist wichtig!

Denn wenig selbstbewusste Menschen sind als Erwachsene anfälliger für Depression, Burnout, Angststörungen und andere psychische Krankheiten. Sie sind weniger beliebt, führen seltener erfolgreiche Beziehungen. Das alles wünschen wir unseren Kindern nicht.

Daher lohnt es sich, wenn wir uns einmal bewusst machen, welche Auswirkungen unser elterliches Verhalten auf unsere Sprösslinge haben kann.

Es mangelte nicht an Gelegenheiten zu beobachten, wie Erwachsene mit Säuglingen umgehen. Ganz selbstverständlich passten die Mädchen (aber sicher auch die Jungen) auf ein Nachbarbaby, den kleinen Cousin oder das eigene jüngere Geschwisterkind auf.

Zum Antritt unserer Mutterschaft wissen viele von uns kaum etwas von all den Problemen, die es beim Großziehen der Kinder natürlich schon immer gegeben hat.

Selbstbewusstsein, Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl

Bevor wir damit loslegen, ist es wichtig, die Begriffe Selbstbewusstsein, Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl voneinander abzugrenzen bzw. in Bezug zueinander zu stellen.

Selbstbewusstsein

Selbstbewusstsein heißt nicht, zu denken, man wäre unfehlbar, besser als andere oder überhaupt irgendwie überdurchschnittlich fähig. Wer selbstbewusst ist, ist ein Experte für die eigene Person und kennt seine Gefühle, Vorlieben, Eigenschaften und Verhaltensweisen.

Eine selbstbewusste Person weiß, was ihr guttut und wovon sie lieber fernbleiben möchte. Das drückt sie auch nach außen hin aus. Sie kennt ihre Neigungen und Abneigungen, ihre Fähigkeiten und Grenzen und nutzt Strategien, sich mit dieser ganz persönlichen Ausstattung in ihrer Umwelt möglichst gut zu fühlen. 

Wer selbstbewusst ist, spürt in sich hinein, achtet auf die eigenen Gefühle und Bedürfnisse. Er schreitet ein, sobald es ihm zu viel wird, um schnell wieder zurück in die eigene Balance zu finden.

Kinder sind eigentlich von Geburt an sehr selbstbewusst. Babys schreien, wenn ihnen unwohl ist, sie zeigen deutlich, wenn sie mehr von etwas wollen und sie drehen ihren Kopf weg, wenn sie genug von all den Reizen haben.

Selbstvertrauen

Selbstvertrauen ist eng mit dem Selbstbewusstsein verwoben. Wer sich selbst vertraut, der lässt sich von den Signalen leiten, die ihm sein Körper sendet und ist davon überzeugt, dass er damit gut fährt. Er wird sich weder unter- noch überschätzen, weil er sich genau richtig einschätzt.

Auch das können wir bei kleinen Kindern, die beginnen, zu krabbeln und zu laufen, gut beobachten. Sie entwickeln sich unentwegt fort, machen die richtigen Bewegungen, die ihren Körper stärken, aus ihrer inneren Motivation heraus. 

Babys würden es aber nie übertreiben, wie so viele Erwachsene, die zum Beispiel mit einer neuen Sportart beginnen und direkt am nächsten Tag Muskelkater haben. Die kleinen Kinder vertrauen einfach auf sich und ihre Fähigkeiten und lassen sich nicht reinreden.

Selbstwertgefühl

Und mit diesem „reinreden“ kommt das Selbstwertgefühl ins Spiel. Das Selbstwertgefühl entsteht im Zusammenspiel mit anderen Menschen. Wie gehen sie mit uns um?

Freuen sich die Eltern und andere Bezugspersonen, wenn sie uns sehen, schenken sie uns Aufmerksamkeit? Finden die Eltern es gut, wie ich auf meine Körpersignale höre und unterstützen mich in meiner individuellen Entwicklung und Entfaltung?

Schon bald nach unserer Geburt beginnen die Menschen, uns mit ihren Erwartungen an ein Kind abzugleichen und melden uns zurück, ob sie damit zufrieden oder unzufrieden sind.

Wer dabei gut abschneidet, wird weiterhin auf seine Körperwahrnehmung und innere Motivation vertrauen und ein starkes Selbstwertgefühl entwickeln.

Wer dagegen das Gefühl hat, in dieser Umwelt nur bestehen zu können, wenn er sich anders verhält, als er das seinem inneren Gefühl nach tun würde, wer sich anstrengen und sich den äußeren Erwartungen anpassen muss, der entwickelt ein eher schwaches Selbstwertgefühl. Er glaubt, so wie er ist, ist er nicht gut genug.

Selbstbewusstsein, Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl bauen aufeinander auf. Wer die Fähigkeit beibehält, auf sein Inneres zu hören, diesen Signalen zu vertrauen, und dabei auch von anderen bestärkt und angenommen wird, der wird mit einem ausgeprägten Selbstwertgefühl durchs Leben gehen.

Wie gut das tatsächlich gelingt, ist ein Zusammenspiel zwischen der genetischen Ausstattung des Kindes und den Umwelteinflüssen, denen es ausgesetzt ist. 

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5 Fehler, die du vermeiden solltest, wenn du ein selbstbewusstes Kind haben möchtest

1. Relativieren und Negieren

Viele Erwachsene sind heute sehr schlecht darin, Tränen, Wut und Unwohlsein der Kinder auszuhalten. Schnell sind sie dabei, die erlebten Gefühle der Kinder zu relativieren oder gar zu negieren. 

Dies tun wir mit Sätzen wie: „Ist doch nicht so schlimm!“, „Jetzt stell dich nicht so an!“, „Dass du immer gleich losheulst!“ oder „Es gibt wirklich keinen Grund, sich jetzt so aufzuführen“.

Wir reagieren unbewusst so, wie man auf uns reagiert hat, als wir Kinder waren und ein ähnliches Verhalten gezeigt haben. Das ist aber ein Muster, das wir uns in unserer Generation – zum Wohle unserer Kinder und Kindeskinder – endlich bewusst machen und durchbrechen sollten.

Denn auf diese Weise sagen wir dem Kind, dass es „falsch“ empfindet und sich selbst nicht trauen sollte.

Dabei empfindet es doch wirklich so!

  • Das Knie tut nach einem Sturz wirklich weh, selbst wenn man kaum etwas sehen kann.
  • Die große Schwester findet es furchtbar unfair, dass der kleine Bruder sich die Becherfarbe zuerst aussuchen durfte. Auch wenn der Erwachsene das als unwichtig abtut. 
  • Das sensible Kind kann die Strumpfnaht heute wirklich nicht ertragen, auch wenn es an anderen Tagen kein Problem ist.
  • Und sicher hat unser Kind tatsächlich Angst, wenn es abends im Kinderzimmer allein einschlafen soll, und will uns nicht nur auf der Nase herumtanzen.

Nur, wenn wir die Wahrnehmung unserer Kinder nicht als falsch abtun, sondern sie ernst nehmen und das Kind in seiner Selbstbeurteilung bestärken, fühlt es sich kompetent, wertgeschätzt, respektiert und verstanden. Es wird weiterhin auf das eigene Gefühl vertrauen.

Andernfalls wird das Kind glauben, dass der eigenen Wahrnehmung nicht zu trauen ist. Es wird versuchen, sich von den eigenen Gefühlen abzukoppeln und sich stattdessen zunehmend nur noch danach ausrichten, welches Verhalten andere in welcher Situation von ihm erwarten.

Dies führt weder zu Selbstbewusstsein noch zu Selbstvertrauen noch zu einem gesunden Selbstwertgefühl.

Was du stattdessen tun kannst:
  • Schenk deinem Kind Empathie, egal welche Gefühle es gerade durchlebt.
  • Gib deinem Kind den Raum auch negative Gefühle ausdrücken zu dürfen.
  • Hör deinem Kind aufmerksam zu und sei neugierig, wie es die Dinge erlebt und wahrnimmt.
  • Stell Fragen, die das Kind darin bestärken, in sich hineinzuspüren. Zum Beispiel: Wie hat sich das angefühlt, als xy passiert ist? Was hättest du gebraucht, damit es dir besser gegangen wäre?

2. Vergleichen und Bewerten

Ab Geburt sind Kinder Vergleichen und Bewertungen durch andere Menschen ausgesetzt. 

Es fängt damit an, dass wir schon vorab bestimmte Erwartungen, wie das Kind zu sein hat, in die Beziehung mitbringen. Je nachdem, ob es diese Erwartungen erfüllt oder nicht, wird es von uns positiv oder negativ bewertet.

Dazu wird es permanent mit anderen Kindern verglichen. Die Tochter der Nachbarin krabbelt schon. Das Baby der Freundin hat schon vor vier Wochen „Mama“ gesagt. Die Cousine isst alles, was man ihr vorsetzt. Und man selbst hat als Kind auch nicht so ein Theater gemacht, wenn es ums Haare waschen ging.

Schnell überlegen wir, wie wir die erkannten Schwachstellen unserer Kinder ausmerzen können. 

Von ständigem Kritisieren und Nörgeln über strenges Training bis hin zur Vorstellung beim „Experten“ ist uns jedes Mittel recht, unsere Kinder doch noch irgendwie zurechtzubiegen.

Puh, dem Kind wird den ganzen Tag um die Ohren gehauen, wie enttäuscht andere sind, dass es bestimmten Erwartungen nicht gerecht wird. Und das, obwohl es doch einfach nur ist, wie es ist!

Dein Kind wird nicht stark, wenn du es mit Gewalt an Standardanforderungen anzupassen versuchst, weil du es unbedingt anders haben willst, als es ist.

Ganz im Gegenteil wird sich dein Kind dann stark, sicher und wertvoll fühlen, wenn du es annimmst und in seiner Persönlichkeit akzeptierst!

Was du stattdessen tun kannst:
  • Schenk deinem Kind Zuneigung und Aufmerksamkeit – und zwar völlig unabhängig davon, was es leistet! Es ist dein Kind und hat somit deine bedingungslose Liebe verdient.
  • Versuch das Zusammensein mit deinem Kind zu genießen, indem du mehr von dem in euer Leben holst, was euch gemeinsame Freude bereitet. So fühlt sich dein Kind willkommen und angenommen.
  • Mach dir deine Erwartungen bewusst, die dein Kind nicht erfüllen kann und lass sie ziehen.
  • Sei stattdessen neugierig, wie das Kind wirklich ist, das dir anvertraut wurde. Welche Fähigkeiten, Neigungen, Wünsche bringt es mit?
  • Statt dein Kind in eine Schablone zu pressen, vertraue einfach darauf, dass das, was das Kind fühlt, richtig ist. Dein Kind ist der Experte für sich selbst. Wenn du darauf vertraust, wird auch dein Kind seinen Körperempfindungen und Gefühlen vertrauen und sich auch in Zukunft gut um sich selbst kümmern können.

3. Kinder der Freiheit berauben, ihre eigenen Erfahrungen zu machen

Die Kindheit und Jugend ist dazu da, in einem geschützten Rahmen Erfahrungen zu sammeln, um danach sicher auf eigenen Füßen stehen zu können.

Dieser geschützte Rahmen sollte altersgerecht Schritt für Schritt angepasst werden. Das heißt, wir sollten in jedem Alter Kindern die Möglichkeit lassen, auch aus unserer Sicht unkluge Entscheidungen zu treffen und aus den natürlichen Konsequenzen zu lernen.

Das Kleinkind möchte Partout nicht im Herbst seine Jacke anziehen? Ja, dann soll es eben ohne losziehen. Irgendwann wird es merken, dass ihm kalt ist, und froh sein, dass Mama die Jacke eingepackt hat. Oder ist ihm vielleicht gar nicht kalt, weil es wie verrückt auf dem Spielplatz hin- und herflitzt, während Mama frierend herumsteht?

Ein Kind darf erleben, wie es ist, wenn es ohne Gummistiefel durch Pfützen watet und ohne Schirm in einen regnerischen Tag aufbricht – wie soll es sonst den Nutzen dieser Utensilien erkennen und das Für und Wider für sich realistisch abschätzen können?

Wie fühlt es sich an, wenn man der Lehrerin erklären muss, dass man gestern keine Lust hatte die Hausaufgaben zu machen? Weiß ich, wie es sich anfühlt, wenn ich tags zuvor viel zu spät ins Bett gegangen bin? Wie fühle ich mich, wenn ich mich an etwas überfressen habe? Oder wie ist es, wenn ich beim Einschlafen hungrig bin und deswegen nochmal aufstehen muss, weil ich keine Lust hatte mit den anderen zu Abend zu essen? 

Jedes Kind sollte hin und wieder kleinen Dramen des Alltags ausgesetzt sein.

Zum Beispiel beim wilden Spiel am Bach ausgerutscht und ins eiskalte Wasser gefallen zu sein. Wenn es danach mit nassen Klamotten heulend nach Hause geht, ist es um eine wichtige Erfahrung reicher. 

Besonders, wenn es dann von Mama abgetrocknet, in eine Decke gewickelt wird und eine heiße Schokolade zum Aufwärmen bekommt. 

Denn jedes Kind sollte Eltern haben, die ihrem Kind signalisieren: „Wir sind für dich da!“, statt „Hab ich’s dir nicht gesagt!“

Wenn du das nächste Mal den Drang verspürst, deinem Kind jeden Schritt seines Alltags vorzuschreiben, um es vor allem Unangenehmen zu bewahren – Stopp!

Frag dich, ob es gefährlich ist oder ob genau das nicht vielleicht eine wichtige Erfahrung sein könnte, mit der dein Kind reifen wird. Denn Selbstbewusstsein lernt man nur, wenn man Erfahrungen macht und sich dadurch über sich selbst immer bewusster wird.

4. Keine Zeit und keinen Raum für kindliches Verhalten

Eng mit dem eben genannten Punkt verbunden ist die Zeitgestaltung vieler Familien. Ihr Alltag ist oft so eng getaktet, dass einfach keine Zeit bleibt, dass das Kind sich ausprobiert.

Wenn das Kind jetzt in Halbschuhen in die Pfütze springt und die Kleidung gewechselt werden muss, dann kommt man noch zu spät zum Kinderturnen! 

Eltern wollen ihren Kindern oft genauestens vorschreiben, was es wann (allein) tun und was es lassen soll, weil es noch zu klein und ungeschickt ist. Dabei folgen die Kinder immer ihrem inneren Entwicklungsplan. In der Autonomiephase, aber auch danach, wollen (und sollen!) Kinder selbst entscheiden, wann welcher Lernschritt dran ist.

Wir sollten den Kindern diese Autonomie zugestehen, wann immer sie eingefordert wird – falls es uns gerade möglich ist. Das heißt, wir müssen aufhören, dem Kind zu diktieren, was es wann machen soll und es stattdessen darin bestärken, was es machen will.

Also nicht das Kind einfach mal beim Flöten und der Leichtathletik anmelden, weil wir das nett fänden, sondern das Kind bei solchen Entscheidungen einbeziehen. Wir sollten die Kinder darin bestärken, ihren ganz persönlichen Neigungen nachzugehen und ihnen auch Abneigungen zugestehen.

Häufig wünschen sich Eltern, dass Kind solle nicht rumjammern, wenn sie aufbrechen wollen und sich zuverlässig selbstständig Jacke und Schuhe anziehen. Schließlich haben sie es eilig!

Aber gleichzeitig wollen sie nicht, dass das Kind die Eier aufschlägt (könnten ja Schalen in den Teig kommen) oder die Fenster putzt (wird ja nicht streifenfrei) oder sich selbst die Kleidung auswählt (sieht unmöglich aus, ist „zu kalt“). Und außerdem haben sie es eilig!

Dazu kommt, dass wir schnell dabei sind, kindliche Grenzen zu übergehen. Schon kleine Babys sollten nicht gegen ihren Willen der unbekannten Großtante in den Arm gedrückt werden. Kein Kind sollte gezwungen werden, etwas zu essen, das es nicht essen will. Und kein Kind sollte Kleidung tragen müssen, die es nicht anziehen will. 

Und doch tun wir die Grenzen unserer Kinder so oft leichtfertig ab – das Kind soll sich nicht so anstellen, sondern einfach mal „hören“!

Das heißt, das Kind ist maximal fremdbestimmt. Eigentlich brauchen wir uns dann wirklich nicht zu wundern, wenn sich so häufig der kindliche Gegenwille regt und vermeintlich banale Situationen in einem Wutanfall enden, oder?

Tja, tatsächlich bin ich der Meinung, dass man als Eltern Prioritäten setzen und den Alltag lieber entzerren sollte, um dem Kind zu ermöglichen, viele selbst gewählte Erfahrungen zu sammeln. 

Wer zusehen möchte, wie sein Kind sich zu einem kompetenten Erwachsenen entwickelt, muss es auch mal machen lassen.

Natürlich will ich damit nicht sagen, dass das Kind unbedingt mal die Erfahrung machen sollte, von einem Auto angefahren zu werden oder ein giftiges Reinigungsmittel zu trinken.

Ich bin auch nicht der Meinung, dass die spontanen Wünsche eines kleinen Kindes Vorrang vor den Bedürfnissen anderer Familienmitglieder haben sollten. Natürlich können wir unseren Kindern nicht immer alles ermöglichen, was ihnen gerade in den Sinn kommt. 

Wie immer gilt es, die richtige Balance zu finden. Weg vom alten Schwarz-Weiß-Denken – das Leben ist abenteuerlich bunt!

5. Schlechtes Vorbild sein

Kinder brauchen keine perfekten Eltern als Vorbild!

Dann haben sie es in der Regel nämlich nur mit einer perfekten Elternfassade zu tun. Das sind Eltern, die immer lächeln und freundlich säuseln, und denen es immer gut zu gehen scheint – ganz egal was das Leben ihnen gerade bringt.

Nein, Kinder lernen am besten von „echten“ Menschen, die eigene Unsicherheiten, Unzulänglichkeiten und Fehler einräumen und einen guten Umgang damit suchen. 

Kinder wollen ihre Eltern wirklich kennenlernen. Sie wollen einen Einblick bekommen, wie diese damit umgehen, wenn sie mit den Höhen und Tiefen des Lebens konfrontiert werden.

Wenn dein Kind mitbekommt, wie du von deinen Gefühlen und Bedürfnissen sprichst, wie du deine Grenzen markierst, wie du bewusst Strategien wählst, um dich zurück in die Balance zu holen, dann wird es das sicher auch gerne für sein eigenes Leben übernehmen wollen.

Deshalb wünsche ich mir so sehr, dass du als Mama nicht mehr mit dir haderst, wenn du das Familienleben nicht so hinbekommst, wie es von der Gesellschaft als Idealbild suggeriert wird.

Du bist ein Individuum mit einer persönlichen Ausstattung an Merkmalen und Bedürfnissen und in einer ganz individuellen Umwelt.

Du musst kein Durchschnittsleben führen, sondern ein Leben, dass zu dir und deinen Liebsten passt. 

Wenn du lernst, achtsam auf deine inneren Signale zu hören und dein Leben daran auszurichten, machst du deinem Kind ein wunderbares Geschenk für seine Zukunft! DAS stärkt dein Kind wirklich nachhaltig.

Selbstbewusstsein für dich selbst – du würdest das gerne lernen, brauchst aber Unterstützung? Dann komm auf die Warteliste meines Jahresprogramms "Bewusster leben als Mama"!

Wie ist es mit deinem Kind? Hast du das Gefühl, dein Kind braucht mehr Unterstützung, um ein gesundes Selbstbewusstsein zu entwickeln? Was tust du dafür bzw. was möchtest du dafür tun? Ich freue mich über deinen Kommentar!

Wie sind deine Gedanken zu dem Thema? Hast auch du die Erfahrung gemacht, dass erfahrenere Mütter häufig entspannter sind? Ich freue mich über deinen Kommentar.

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Was dir – genau wie den Schimpansinnen – helfen kann, ist ein soziales Netzwerk, das dich unterstützt und dich in harten Zeiten auffängt. Nimm daher jede Gelegenheit wahr, Familienbande, Freundschaften und deinen Bekanntenkreis zu pflegen. So fällt es dir leichter, um Hilfe zu bitten und Unterstützung zu erhalten. Du musst es nicht alleine schaffen.

Autorin Lena Franck

Ich bin Mama-Coach und selbst Mama dreier Kinder, die 9 Jahre, 7 Jahre und 2 Jahre alt sind. Ich unterstütze Mamas dabei, sich wieder zufriedener und ausgeglichener zu fühlen, um für ihre Kinder endlich die entspannte und fröhliche Mama sein zu können, die sie sich eigentlich für sie wünschen. Denn eine zufriedene Mama ist die beste Mama, die du sein kannst!

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