Raus aus der postnatalen Depression – Ein Gastbeitrag

Wie Nina eine postnatale Depression erlebte, wie sie heute ihren Weg hin zu mehr Lebensfreude bereitet und welche Erkenntnisse ihr dabei helfen.

2015 lag die statistische Geburtenrate in Deutschland bei 1,5 Kindern je Frau. Dies ist der Höchststand seit 1982.

Nina schenkt uns mit ihrem Gastbeitrag einen ehrlichen Einblick in ihr Leben: Wie sie eine postnatale Depression erlebte, wie sie heute ihren Weg hin zu mehr Lebensfreude beschreitet und welche Erkenntnisse ihr dabei helfen.

Mein Weg (zurück) zu mir

Die geringe Kinderdichte in Deutschland hat zur Folge, dass immer mehr Menschen unsicher, teilweise überfordert sind, sobald sie selbst Eltern werden.

Seit einiger Zeit kann ich auf die Frage „Wie geht es dir?“ endlich wieder ehrlich mit „gut“ antworten. Das war lange Zeit nicht so. 

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Es ging mir richtig schlecht. Ich wusste nicht, wie ich die Tage überstehen soll, saß nur auf dem Boden und habe überhaupt nichts mehr geschafft. 

Kaum ein Mädchen wurde groß, ohne dass es die Möglichkeit hatte, beiläufig die Rolle als Mutter zu erlernen und einzuüben.

Jede Kleinigkeit fühlte sich an, als wäre sie unmöglich zu bewältigen.

Sogar das Anziehen fiel mir schwer und ich verbrachte meine Tage oft im Schlafanzug.

Es mangelte nicht an Gelegenheiten zu beobachten, wie Erwachsene mit Säuglingen umgehen. Ganz selbstverständlich passten die Mädchen (aber sicher auch die Jungen) auf ein Nachbarbaby, den kleinen Cousin oder das eigene jüngere Geschwisterkind auf.

Zum Antritt unserer Mutterschaft wissen viele von uns kaum etwas von all den Problemen, die es beim Großziehen der Kinder natürlich schon immer gegeben hat.

Einerseits fühlte ich mich allein (gelassen), gleichzeitig zog ich mich aber noch weiter zurück – von meinen Freunden und von meinem Mann. 

Alles Negative empfand ich als dreimal so furchtbar wie gewöhnlich, schöne und lustige Momente konnte ich nicht mehr richtig genießen. 

Ich habe die postnatale Depression sehr lange mit mir herumgeschleppt, bis ich mir endlich Hilfe suchen konnte. Im Rückblick ist es schwer für mich zu verstehen, dass ich es nicht früher bemerkt habe. 

Aber es gab immer irgendetwas, das ich als „Erklärung“ für meine Übellaunigkeit heranziehen konnte: Schlafmangel, Überforderung, wenig Hilfe, anstrengende Kinder usw.

Jetzt bin ich sehr froh, dass es Medikamente gibt, die mich aus dem Zustand herausgeholt haben.

Erst jetzt im Nachhinein weiß ich, wie furchtbar es mir wirklich ging.

Mit einer Therapie möchte ich jetzt gern noch tiefer gehen und erforschen, welche Denkweisen und Ansichten ich ändern oder hinterfragen kann, damit ich auch ohne Tabletten mein Leben mit allen Höhen und Tiefen genießen kann. 

Nur ich kann mein Leben leben

Diese Erkenntnis zu erlangen, hat tatsächlich etwas gedauert. Aber es ist so: Nur ich kann mein Leben leben, so wie ich es will. Ich allein bin verantwortlich. 

Nicht mein Mann oder meine Kinder können mich glücklich und zufrieden machen, sondern nur ich. 

Ich will herausfinden, was mir guttut, was mir Freude bereitet, und wie ich das in mein turbulentes Leben mit zwei Kindern integrieren kann, damit niemand zu kurz kommt. Ja, das ist schwierig und erfordert das Erkennen und Sehen meiner Bedürfnisse und die der anderen Familienmitglieder.

Manchmal gelingt mir das gut, manchmal ist der Tag einfach verkorkst. Dann beginnt ein neuer Morgen und ich versuche wieder, es so gut zu machen, wie ich kann.

Ich bin ein Mensch. Deshalb bin ich manchmal ungerecht, motzig, genervt und kriege gefühlt nichts auf die Reihe. Aber hey, so ist das Leben.

Ich habe nur die Ressourcen zur Verfügung, die eben da sind, mehr Stunden hat mein Tag nicht.

Und die Nächte sind leider für mich zu unruhig, als dass ich ausgeschlafen und energiereich in den Tag starten kann. 

Aber das ist jetzt einfach so. Es wird auch wieder anders werden. Jetzt kann ich nur so viel, wie ich kann. 

Um Hilfe bitten, macht mich nicht zu einem schlechten Menschen

Nimm Unterstützung an

Ich lerne um Hilfe zu bitten und diese auch anzunehmen, ohne zu denken, dass mich das zu einer schlechten Mutter, Hausfrau oder Ehefrau macht.

Ich kann es nicht allen Menschen recht machen, irgendjemand wird immer denken, dass er das aber anders machen würde. Aber dieser Mensch lebt nicht mein Leben. Ich bin ich. Niemand kann in meinen Kopf sehen und auch ich kann niemandes Gedanken lesen. 

Es ist zu anstrengend zu überlegen, was der andere vielleicht denken könnte, wenn ich dieses und jenes mache oder eben nicht.

Ich kann mich nicht in jede Richtung verbiegen, dann bin ich nicht mehr ich, sondern richte mich nur nach den Erwartungen der anderen.

Meine Erwartungen an mich sind mir schon manchmal zu viel. Mit mir bin ich strenger als ich es je mit einer Freundin sein würde. Ich will es gut machen – für meine Kinder, für meinen Mann. Aber ich habe übersehen, dass ich das nur kann, wenn es auch mir gut geht.

Sonst funktioniere ich mehr schlecht als recht, und fühle weder Spaß noch Freude.

Was ist denn das für ein Leben ohne Lachen, Blödsinn und Genuss?

Die Herausforderung besteht nun darin, jeden Tag aufs Neue, das Schöne im Hier und Jetzt zu sehen, den Moment mitzugestalten und sich für das Lachen zu entscheiden. Manchmal klappt es besser, manchmal schlechter – auch das ist menschlich. 

Ich habe das Gefühl, endlich aktiv auf dem Weg zu mir zu sein, und das fühlt sich echt gut an.

Wie geht es dir auf deinem Weg? Hinterlasse gern einen Kommentar.

Wie ist das Leben mit einer postnatalen Depression und welche Erkenntnisse können den weg aus der Depression heraus unterstützen?

Wie sind deine Gedanken zu dem Thema? Hast auch du die Erfahrung gemacht, dass erfahrenere Mütter häufig entspannter sind? Ich freue mich über deinen Kommentar.

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Was dir – genau wie den Schimpansinnen – helfen kann, ist ein soziales Netzwerk, das dich unterstützt und dich in harten Zeiten auffängt. Nimm daher jede Gelegenheit wahr, Familienbande, Freundschaften und deinen Bekanntenkreis zu pflegen. So fällt es dir leichter, um Hilfe zu bitten und Unterstützung zu erhalten. Du musst es nicht alleine schaffen.

Lena Franck

Ich bin Lena Franck, 35 Jahre alt. Bist auch du eine Mama, die ihre Familie über alles liebt, und dennoch den Alltag oft als belastend, stressig, fremdbestimmt empfindet? Ich möchte dich mit meinen Texten stärken. Ich zeige dir Wege auf, wie du dein Leben wieder aktiv in die Hand nehmen kannst. Das macht dich zufriedener, ausgeglichener und damit letztlich zu einer geduldigeren Mutter und attraktiveren Partnerin. Mehr über mich

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