Dein Kleinkind hängt dir quengelnd am Bein und ist gefühlt den ganzen Tag unzufrieden? Und dieser nie endende Jammerton zehrt unglaublich an deinen Nerven?

Das Vorschulkind faucht dich feindselig an, wenn du es wagst zu fragen, wie es heute im Kindergarten oder bei Oma war? Danach bricht es wegen einer „Nichtigkeit“ in Tränen aus und nennt dich eine „dumme Mama“? Du fragst dich dann vielleicht, was du ihm eigentlich angetan hast?

Dein Schulkind findet alles blöd, gemein oder langweilig und fordert am laufenden Band. „ALLE Kinder haben Süßigkeiten in ihrer Brotbox, nur ich nicht. Und ein eigenes Handy. Außerdem gehen die alle am Wochenende ins Spaßbad und niemals im Wald spazieren. Schon wieder sowas Ekliges zu essen? So gemein! Warum kannst du nichts Leckeres machen? Dann esse ich eben nicht mit!“

Und deinem ewig genervten Teenager-Kind entlockt euer Familienalltag schon lange nur noch gereiztes Augenrollen, Türenknallen oder abfällige, sarkastische Bemerkungen?

Puh, die kindliche miese Laune macht uns Eltern oft das Leben schwer. Obwohl wir mit unseren Zöglingen eigentlich gut gelaunt durch den Alltag gehen und das Beisammensein genießen wollen, sehen wir uns ständig mit kindlichem Frust und Leid konfrontiert. 

Betroffene Mütter hegen heimlich Gedanken wie: Warum muss mein Kind mir eigentlich immer alles kaputt machen? Womit habe ich das Leben mit diesem undankbaren, ewig meckernden Störenfried verdient? Tue ich nicht alles für mein Kind? Warum muss es uns Frieden, Harmonie und den letzten Nerv rauben?

Wie froh wären wir doch, wenn wir uns von einer guten Fee nur diesen einen Wunsch erfüllen lassen könnten: Dass dieses Dauernörgelkind endlich mal glücklich und zufrieden mit dem sein könnte, was es doch alles Wunderbares hat.

Warum tut das Kind das nur?

Du kannst davon ausgehen, dass es immer einen Grund gibt. Auch wenn wir ihn nicht immer durchschauen. Das Kind jammert nicht, weil es sich gerade pudelwohl fühlt und dich ärgern möchte. Es ist gerade unzufrieden. Es fühlt tatsächlich dieses Unbehagen, dass es durch sein Jammern ausdrückt.

Oft weiß das Kind selbst nicht, warum es ihm gerade nicht gut geht. Ich denke, es ist mit den Launen schwangerer Frauen vergleichbar. Die Gefühle sind einfach plötzlich da. Keine Ahnung, wo die herkommen, aber sie müssen jetzt raus.

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Unbefriedigte Bedürfnisse

Gerade bei Kleinkindern, aber natürlich auch bei älteren Kindern, stecken hinter der Unzufriedenheit oft simple Grundbedürfnisse. Die Kinder sind hungrig oder durstig, sie sind müde, es mangelt ihnen an Bewegung an der frischen Luft oder an sozialen Kontakten. 

Bei kleinen Kindern wirkt ein spontaner Ausflug auf den nächsten Spielplatz mit gemütlichem Picknick im Grünen an besonders nöligen Tagen oft wahre Wunder – eben weil er so viele Grundbedürfnisse gleichzeitig erfüllt.

Manchmal steckt hinter dem Unwohlsein eine heranrollende Krankheit, ein Entwicklungsschub, indem das Gehirn neu strukturiert wird, oder undefinierbare Wachstumsschmerzen. Wir dürfen nicht vergessen, dass der Körper unserer Kinder eigentlich ständig im Umbau begriffen ist.

Solch akute Belastungen sind in der Regel von außen völlig unsichtbar und selbst vom Kind nicht so recht in Worte zu fassen. Es merkt eigentlich nur, dass es ihm gerade nicht gut geht, und fängt an zu meckern.

Je nach aktuellen Lebensaufgaben oder auch Entwicklungsphasen des Kindes stehen bestimmte psychische Grundbedürfnisse gerade im Vordergrund. 

Ein Kind, das gerade ein Geschwisterchen bekommen hat, braucht gerade besonders viel Aufmerksamkeit, Zuwendung und Verbundenheit mit den Eltern. Wenn es das gefühlt nicht oder nicht genug davon bekommt, ist es unzufrieden. Und das zeigt sich unmittelbar im kindlichen Verhalten.

Immer wieder kommt das Kind in Entwicklungsphasen, in denen es aus dem Inneren heraus einen starken Drang nach Autonomie verspürt. Das ist in der Autonomiephase mit ca. 2 bis 3 Jahren der Fall, dann in der Wackelzahnpubertät mit ca. 5 bis 6 Jahren und bekanntermaßen nochmal in der (Vor-)Pubertät. Das Kind hat nicht darum gebeten, die Unzufriedenheit ist eben einfach da.

Die Autonomieschübe sind wichtig, damit das Kind zunehmend selbstständiger werden und sich von den Eltern nach und nach ablösen kann. Dabei stößt das Kind in der Regel an Grenzen, die es frustrieren. Und diesen Unmut muss es natürlich kundtun. Nur so können die Eltern auch mitbekommen, dass es mal wieder an der Zeit ist, das Kind ein Stück weit mehr in die Selbstständigkeit zu entlassen.

Das Bedürfnis nach zugewandter Aufmerksamkeit und das nach Autonomie sind zwei häufige Gründe für allgemeine Unzufriedenheit. Aber potenziell kann die ganze Bandbreite an Bedürfnissen dahinterstecken, zum Beispiel das Bedürfnis nach Zugehörigkeit, Wertschätzung, Abwechslung, Gerechtigkeit, Unterstützung oder – ganz wichtig – Sicherheit.

Was hilft?

Es hilft, wenn du davon ausgehst, dass das Jammern deines Kindes seine Ursache in unbefriedigten Bedürfnissen hat. Der blaue Becher, dem es gerade hinterherweint ist nur der Anlass, nicht die Ursache.

Sicher wird es dir nicht immer gelingen, herauszufinden, welches Bedürfnis genau unbefriedigt ist und wie du nun konkret dabei helfen kannst. Schon gar nicht jetzt sofort und auf die Schnelle.

Es hilft schon, Verständnis dafür zu haben, DASS es dem Kind aus irgendeinem Grund gerade nicht so gut geht, und die Jammerei deswegen nicht als Angriff auf einen selbst zu verstehen. 

Denn wenn es dem Kind schon nicht gut geht und wir dann auch noch Druck aufbauen, indem wir verlangen, dass es aufhört zu jammern, dann geht es dem Kind nur noch schlechter. Keine gute Grundlage, um das Dauernörgeln einzudämmen.

Haben wir dagegen die Haltung, dass da schon irgendein Schmerz dahinterstecken muss, achten wir darauf, wie wir das Kind unterstützen können und reagieren verständnisvoll und freundlich. Das erhöht wiederum zumindest die Chancen, dass sich das Kind bald wieder wohler fühlt.

Anspannung loswerden

Viele Kinder nutzen das Jammern, Motzen und Quengeln als Strategie, um aufgebaute Anspannung durch zeitweise unterdrückte Bedürfnisse rauszulassen.

Vielleicht hast du auch schon bemerkt, dass diese zur Schau getragene Unzufriedenheit in bestimmten, wiederkehrenden Situationen auftaucht.

Das könnte sein:

  • morgens vor Schule oder dem Kindergarten (wenn Zeitdruck herrscht)
  • nach der Kita oder der Schule, vielleicht auch nach einem Tag bei Oma und Opa (nachdem die Kinder sich lange angepasst und kooperiert haben)
  • abends vor dem Schlafengehen (wenn die Kinder eigentlich zur Ruhe kommen möchten, aber noch die Anspannung loswerden müssen)
  • vor, in oder nach außergewöhnlichen Situationen, in denen die Sicherheit durch die bekannten Routinen fehlt (ein Urlaub, die Eingewöhnung in eine neue Einrichtung, ein Kindergeburtstag, eine erste Übernachtung ohne Eltern)

Was hilft?

Auch hier hilft erstmal die Einsicht und das Verständnis, dass unser Kind sich offensichtlich in genau diesen Situationen gestresst fühlt. Auch hier möchte es uns nicht ärgern, sondern sucht eine Möglichkeit, seine Anspannung abzubauen.

Akut können wir dem Kind diesen sicheren Raum schenken, den es benötigt, um die vorhandenen Anspannungen rauszulassen. Wir sind die Eltern, der sichere Hafen. Wir können das aushalten, wenn wir wissen, dass alles seine Richtigkeit hat.

Außerdem können wir langfristig unseren Alltag umgestalten, sodass sich zum einen weniger Stress aufbauen kann und wir zum anderen immer wieder Möglichkeiten einbauen, durch die das Kind auf eine sozial verträglichere Art Stress abbauen kann. Für manche Kinder ist das Bewegung, für andere ruhiges Spielen für sich alleine. Bei deinem Kind vielleicht etwas ganz anderes?

Für außergewöhnliche Ereignisse können wir vorrausschauend Stresspuffer einplanen. Und wir können uns vornehmen, das Kind ganz bewusst durch aufkommende Gefühle zu begleiten. Das ist hilfreicher, als immer wieder davon auszugehen, dass sich das Kind diesmal schon zusammenreißen wird, um dann enttäuscht zu sein.

Warum ist die schlechte Laune des Kindes für uns Eltern so schwer zu ertragen?

Du fragst dich jetzt vielleicht: Wenn es doch natürlich ist, dass das Kind sein Unbehagen jammernd zur Schau trägt, warum ist es für mich dann kaum zu ertragen? Es kann sein, dass es dir so dermaßen auf die Nerven geht, dass du selbst reizbar wirst und schnell an die Decke gehst. Und lass mich dir versichern, du bist nicht die Einzige, der es so geht.

Das kann auch wieder diverse Gründe haben, von denen häufig sogar gleich mehrere zusammenkommen.

1. Das Gefühl soll uns zum Handeln aktivieren

Würde uns das Gejammer des Kindes so gar nicht stören, würden wir wohl auch einfach darüber hinwegsehen und gar nichts tun. Aber das Kind macht ja mit dem Verhalten auf etwas aufmerksam, was verändert werden sollte. 

Wenn das Kind selbst keine Strategie gefunden hat, um mit dem Ist-Zustand klarzukommen, braucht es die Hilfe der Eltern. Und diese werden eben durch das ungute Gefühl aktiviert, das sich einstellt, wenn das Kind so nervtötend jammert und schimpft.

Was hilft?

Halte Ausschau nach dem unbefriedigten Bedürfnis hinter der Unzufriedenheit und dem daraus resultierenden Verhalten deines Kindes. Überleg, ob und wie du helfen kannst.

Vielleicht ist auch die beste Hilfe, die du geben kannst, dass du dem Kind die Erlaubnis und den Raum gibst, seine Gefühle in einem sicheren Rahmen zu erleben. Ähnlich, wie du für dein Kind da bist, wenn es gerade hingefallen und sich das Knie aufgeschürft hat, kannst du es auch bei Frust, Wut oder Trauer begleiten, indem du einfach mitfühlend da bist.

Du solltest allerdings vermeiden, dem Kind seine Gefühle auszureden. („Das ist kein Grund zu jammern!“)

Ja, es ist oft der schnellste Weg, die Symptome abzustellen, aber das Kind zahlt dafür einen hohen Preis. Denn es verlernt auf seine körperlichen Symptome zu hören und danach zu handeln. Wer nicht weiß, was ihm gut tut und wo seine persönlichen Grenzen sind, wird auch als Erwachsener zwischen Erschöpfung und „plötzlichen, unerklärlichen“ Wutanfällen hin und her pendeln, statt sich auf eine gesunde Weise selbst zu regulieren.

2. Wir fühlen uns angegriffen

Wenn unser Kind zähnefletschend „blöde Mama“ ruft, nach uns haut und uns dabei erwartungsvoll in die Augen sieht, dann finden wir das ganz sicher nicht lustig. Keiner möchte von seinen Mitmenschen so behandelt werden.

Vielleicht hast du Gedanken wie „Mein Kind respektiert mich nicht“ oder „Es tanzt mir auf der Nase herum!“. Wenn du sowas denkst, wirst du höchst wahrscheinlich sehr wütend werden und möglicherweise zu einer Gegenattacke ausholen („Damit das Kind es endlich mal lernt!“).

Was hilft?

Erinnere dich in solchen Situationen daran, dass dein Kind gerade hilflos ist, und nur nach einer Strategie sucht, seine unguten Gefühle loszuwerden. Leider scheint es darin noch nicht sonderlich kompetent zu sein, sondern braucht die Hilfe eines Erwachsenen, um sich zu regulieren.

Es hilft also, wenn du die Attacken deines Kindes nicht persönlich nimmst, sondern sie für dich zu einem Hilferuf übersetzt: „Hilfe, Mama, ich komme gerade nicht mit meinen Gefühlen klar. Mir geht es nicht gut.“

Klar wirst du dich selbst (ein Geschwisterkind, einen Gegenstand) schützen wollen, aber die Wut wird nicht mehr so in dir hochkochen und ihr werdet euch gemeinsam schneller wieder beruhigen können. Wenn du Ruhe und Sicherheit ausstrahlst, wirkt sich das auch regulierend auf das Nervenkostüm deines Kindes aus.

Und später, wenn die Wogen geglättet sind und das Kind dir wieder zuhören kann, kannst du immer noch darüber reden, dass du sein Verhalten nicht in Ordnung fandest und ihm Alternativen vorschlagen. Ab einem gewissen Alter wissen die Kinder aber schon, dass es nicht in Ordnung war – sie konnten nur einfach nicht anders handeln, sonst hätten sie es getan.

Wirksamer wird jedoch sein, nächstes Mal zusammen mit dem Kind auf frühe Signale seiner Unzufriedenheit zu achten und schon frühzeitig alternative Strategien zur Stressregulation auszuprobieren, sodass es gar nicht erst in diesen aggressiven Zustand kommt. 

3. Wir leiden mit

Unser Kind war einmal ein Teil von unserem Körper und ist noch lange danach sehr innig mit uns verbunden. Es kann passieren, dass wir seinen Schmerz zu unserem machen und mitleiden. Wir fühlen uns den Emotionen genauso ausgeliefert wie unser Kind.

Wenn unser Kind also in den emotionalen Fluten zu versinken droht, dann springen wir hinterher und gehen mit dem Kind gemeinsam unter.

Damit ist dem Kind leider nicht geholfen. Wenn das Kind den Erwachsenen mit jeder Emotion mitreißt, ängstigt sich das Kind gleich doppelt vor den starken Gefühlen.

Was hilft?

Stattdessen braucht das Kind einen Erwachsenen, der sieht, dass das Kind in emotionaler Not ist, den Rettungsring auswirft und es mit ruhiger Hand wieder an Land zieht.

Das ist der Unterschied zwischen Mitleid und Mitgefühl.

Du kannst üben, in solchen emotionalen Situationen kurz innezuhalten und dich fragen: „Ist das gerade Mitleid oder Mitgefühl, was ich da habe?“

Und falls es Mitleid ist, dann nimm bewusst eine distanzierte Haltung zu dem Geschehen ein. Sag dir zum Beispiel „Stopp – es ist das Gefühl meines Kindes, nicht meines.“ Und schlüpfe dann gezielt in die Rolle des Mitfühlenden. Aus dieser Rolle heraus, kannst du dein Kind kompetent und sicher durch dessen Gefühle begleiten.

4. Gefühle von Schuld und Versagen

Kannst du dich noch an die Zeit erinnern, vielleicht, während deiner ersten Schwangerschaft, als du dir die Zukunft mit einer Familie ganz rosarot ausgemalt hast?

Du würdest dieses bezaubernde Kind über alles lieben, dich ihm stets liebevoll zuwenden und ihm alles geben, was es braucht, um sich erfüllt und glücklich zu fühlen. 

Und natürlich würde man das dem Kind anmerken! Es wäre ausgeglichen und zufrieden und einfach „Everybodyʼs Darling“. Es hätte überhaupt keinen Grund, in irgendeiner Form negativ aufzufallen, weil es ja aus diesem besonders liebevollen Elternhaus kommt und es ihm an nichts mangelt.

Tja, und wie sieht heute die Realität aus? Dein Kind ist gar nicht immerzu glücklich und dankbar. Es erlebt die ganze Bandbreite an menschlichen Gefühle, wie Frustration, Wut und Trauer und bringt diese auch zum Ausdruck. Ganz egal, wie sehr du dich anstrengst! 

Womöglich fällt dein Kind sogar deutlich unangenehmer auf als die meisten anderen Kinder im gleichen Alter, die du so beobachtest.

Oh weia, hast du vielleicht doch nicht alles „richtig“ gemacht, so wie du es dir vorgenommen hattest? Ist das Betragen deines Kindes vielleicht ein Aushängeschild, an dem die anderen Leute erkennen, dass es bei euch in der Familie einfach nicht rund läuft?

Vielleicht hast du manchmal Sorge, keine gute Mutter zu sein, dass du in der Erziehung deines Kindes versagt hast? Wollen dir wildfremde Menschen schon Tipps geben, wie du es anstellen kannst, dass dein Kind dir nicht mehr so „auf der Nase herumtanzt“? Ist dir unbehaglich zumute, wenn du darüber nachdenkst, was andere Leute wohl über dich und dein Kind denken könnten?

Was hilft?

Stopp! Merkst du, was du dir da für ein Gedankenkonstrukt aufgebaut hast, das nur in deinem Kopf existiert? Diese Gedanken helfen euch nicht, sie schaden euch sogar!

Schreib dir mal all die toxischen Gedanken von der Seele, die dir zu diesem Thema so im Kopf herumspuken. Und dann prüfe, ob sie wirklich wahr sind. 

Und schau genau hin, was diese Gedanken mit dir machen: Helfen sie dir, dein Kind in seiner Entwicklung liebevoll zu unterstützen? Oder setzen sie dich so unter Druck, dass du gereizt und ungeduldig mit deinem Kind umgehst? (Obwohl du genau das ja eigentlich nie wolltest …)

Auch wenn wir das vielleicht fälschlicherweise vorher geglaubt haben: Unsere Kinder kommen nicht als unbeschriebenes Blatt auf die Welt. Sie haben bereits ein Temperament und ihren eigenen Kopf. Jedes Kind ist einzigartig und mit einem ganz individuellen Persönlichkeits- und Bedürfnisprofil ausgestattet. 

Es ist nicht erstrebenswert, dass die Kinder keine „negativen“ Gefühle kennenlernen. Es ist sogar unglaublich wichtig, dass sie die Kindheit dafür nutzen, ihren Körper, ihre Bedürfnisse, ihre Gefühle im geschützten Rahmen ihrer Familie kennenzulernen und mit der Zeit einen guten Umgang damit finden zu können.

Gute Eltern erkennt man nicht daran, dass ihre Kinder niemals wütend sind, sondern daran, wie sie die Kinder in ihrem Gefühlschaos begleiten.

Das Verhalten der Kinder stellt kein Zeugnis über die Fähigkeit der Eltern aus. Es zeigt lediglich, ob sich die Kinder in diesem beobachtbaren Moment gerade wohl fühlen oder ob sie gerade der Regulation bedürfen.

Verabschiede dich von Gedankenmustern, die euch nicht gut tun!

5. Gefühlsstarke (hochsensible) Kinder

Es gibt Kinder, die besonders sensibel sind. Sie nehmen Reize stärker wahr als andere. Auch Gefühle scheinen viel intensiver erlebt zu werden. Damit geht bei einigen dieser Kinder einher, dass sie Gefühle auch außergewöhnlich stark nach außen ausdrücken. Diese Kinder werden oft als „anstrengend“ empfunden. Mehr über solche Kinder erfährst du hier

Was hilft?

Es hilft, wenn wir uns bewusst machen, welche Erwartungen wir bewusst oder unbewusst an unser Kind hatten und akzeptieren, dass die Realität eine andere ist.

Hatten wir uns vorgestellt, dass unser Kind genauso harmoniebedürftig und zurückhaltend sein würde wie wir selbst? Hatten wir gehofft, dass es genauso eloquent und beherrscht auftreten würde wie sein Papa?

Und jetzt ist es so sensibel, dass es schon in Erwartung der Teilnahme an einem Kindergeburtstag vor Aufregung ausrastet und du nicht weißt, ob du der Mutter des Geburtstagskindes, dieses explosive Nervenbündel überhaupt zumuten kannst?

Ja, vielleicht gehen mit deinem Kind die Gefühle besonders schnell durch. Aber zum einen kann es mit deiner liebevollen Unterstützung im Laufe seiner Kindheit lernen, mit dieser Eigenschaft umzugehen. 

Zum anderen gibt es immer zwei Seiten einer Medaille. Auch dein Kind hat Stärken. Ist es vielleicht besonders kreativ, empathisch und gibt nicht so schnell auf? Dein Kind ist ein Gesamtpaket und es tut gut, auch auf die als positiv empfundenen Seiten zu schauen und die individuellen Talente und Neigungen deines Kindes zu fördern. Auch diese sind häufig andere, als wir uns einst ausgemalt hatten, aber sie sind dennoch da!

Du darfst neugierig sein und dich auf dein Kind einlassen, so wie es ist.

6. Besonders sensible Mutter

Natürlich ist nicht nur jedes Kind einzigartig, sondern jeder Mensch auf dieser Welt – auch Mütter.

Es kann sein, dass du selbst sehr sensibel bist oder Bedürfnisse hast, die sich mit denen deines Kindes nicht immer so leicht vereinbaren lassen.

Vielleicht bist du eher introvertiert und brauchst immer wieder etwas Zeit für dich alleine, um wieder Kraft tanken zu können?

Oder du bist sehr empathisch und fühlst jede Stimmung deines Gegenübers fast schon stärker als die Person selbst?

Was hilft?

Auch du bist ein Unikat und wertvoll für die Welt, so wie du bist. 

Wichtig ist, dass du dir darüber bewusst wirst, wie du bist und was du wann brauchst. Nur so kannst du gut für dich sorgen und deine persönlichen Grenzen schützen. 

Wenn du öfter mal eine Pause von deinen Kindern brauchst oder dich innerlich stark gegenüber den kindlichen Gefühlen abgrenzen musst, dann ist das bei dir eben so. Akzeptanz ist der Schlüssel, auch mit deinen Eigenheiten einen guten Umgang in der Familie zu finden.

Du musst dich nicht in eine 0815-Mutter-Schablone pressen. Hör auf damit, das tut dir nicht gut.

Du darfst dich fragen: „Wie kann ich Bedingungen schaffen, mit denen ich mich so wohl fühle, dass mir die kindlichen Launen und Bedürfnisse nicht den ganzen Tag vermiesen?“ So übernimmst DU die Verantwortung für dich selbst und fühlst dich nicht länger als Opfer deines Kindes.

7. Bedürfniskonflikt

Dieser Punkt ist eng mit den beiden vorhergehenden verwandt.

In einer Familie zu leben, kann nicht bedeuten, in ewiger Harmonie zu schwelgen. Da hier verschiedene Individuen mit ihren unterschiedlichen Bedürfnissen aufeinandertreffen, wird es früher oder später unweigerlich zu Konflikten kommen.

Und das ist gut so. Denn die Kinder werden es auch im späteren Leben mit den unterschiedlichsten Menschen zu tun haben, und in ihrer Familie lernen sie, wie man mit solchen Bedürfniskonflikten umgeht.

Setzt sich der Stärkere durch, indem er Angst und Schrecken verbreitet? Nehmen sich einzelne (z.B. Mutter oder Kind) gezielt zurück und verbiegen sich für die Gemeinschaft bis hin zur Unkenntlichkeit? 

Wenn Bedürfniskonflikte so gehandhabt werden, dann bedeutet das, dass mindestens einer unterliegt und leidet. Kein Wunder, wenn wir solche Konflikte dann lieber vermeiden und uns selbst und anderen die heile Welt vorgaukeln wollen. Nur geht das auf die Dauer natürlich nicht.

Was hilft?

Die Eltern leben den Kindern vor, wie Bedürfniskonflikte kompetent gelöst werden können. Und die Familie bietet den Kindern ein Übungsfeld, um diese Kompetenz zu entwickeln und später gewinnbringend in die Gesellschaft zu tragen.

Idealerweise werden die Bedürfnisse aller gleichwertig gesehen und gemeinsam nach Lösungen gesucht, mit denen es allen gut gehen kann.

Wir sollten aufhören, uns selbst und unsere Kinder in Normschablonen pressen zu wollen. Einen Alltag zu leben, wie „man“ das eben so macht.

Stattdessen dürfen wir kreativ werden und uns überlegen: „Wie können wir unser Leben so einrichten, dass sich bei uns keiner verbiegen muss und es doch allen gut gehen kann?“

Wenn wir uns das erstmal erlauben und unseren Kreativitätsmuskel trainieren, kommen wir auf geniale Lösungen, die wir früher nie in Betracht gezogen hätten.

Ja und manchmal kommen wir auf keine geniale Lösung. Dann kommen die Bedürfnisse einfach nicht zusammen. Aber dann machen wir dafür weder uns selbst noch unser Kind verantwortlich, sondern sehen ganz bewusst, dass das heute und in diesem Moment einfach so ist.

Dann ist eben auch mal alles doof. Dann heulen auch mal alle. Auch das kommt vor. Und trotzdem fühlt sich jeder Einzelne gesehen und wertgeschätzt, so wie er ist. Und auch das ist ein Gewinn.

8. Trigger für eigene Kindheitsgefühle

Häufig reagieren wir auf die starken Gefühle unserer Kinder unverhältnismäßig stark. Hinterher fragen wir uns, wie es so plötzlich zu diesem Gefühlsaufruhr in uns kommen konnte – nur, weil das Kind bockt?

Dann reagieren wir nicht auf die Situation im Hier und Jetzt, sondern fühlen Gefühle, die eigentlich aus unserer Vergangenheit kommen.

Es kann sein, dass es für dich zumindest gefühlt als Kind viel zu gefährlich gewesen wäre, deine Unzufriedenheit auf die Art zu äußern, wie dein Kind das heute tut. Vielleicht hattest du Angst, dann die Liebe und Fürsorge deiner Eltern entzogen zu kriegen. Als abhängiges Kind warst du darauf angewiesen, hast dich angepasst und deine Gefühle lieber heruntergeschluckt.

Wenn sich dein Kind heute „traut“, offen zu jammern und zu meckern, dann schrillen bei dir vielleicht innerlich alle Alarmglocken. Du möchtest unbedingt, dass dein Kind SOFORT damit aufhört. Denn für dich fühlt es sich so an, als würde dein Kind sich durch sein Verhalten in Lebensgefahr bringen.

Das ist natürlich nur ein Beispiel. In DIR können ganz andere Situationen getriggert werden. Aber sie haben immer etwas mit prägenden Erfahrungen in unserer eigenen Geschichte zu tun.

Für unsere Kinder sind derartige Reaktionen unberechenbar. Die Kinder haben nichts mit unseren früheren Erfahrungen zu tun. Ihr Verhalten ist lediglich der Auslöser, der alte Gefühle in uns hochschießen lässt.

Was hilft?

Es ist wichtig, dass wir uns unserer alten Gefühls- und Verhaltensmuster bewusst werden. Nur auf der bewussten Ebene können wir unsere Gedanken und Verhaltensweisen in bestimmten Situationen künftig frei wählen.

Das Bedarf einer tiefen Auseinandersetzung mit uns selbst, die manchmal auch schmerzhafte Erinnerungen in uns aufwühlt.

Außerdem dürfen wir uns Zeit geben, neue, förderlichere Gedanken- und Verhaltensketten einzuüben. 

Aber es lohnt sich. Wir ändern nicht nur die Beziehung zu uns selbst und zu unserem Kind, wir verhindern auch, dass alte Muster auf diese Art unbewusst von Generation zu Generation weitergegeben werden. Du bescherst also auch deinen Enkeln und Ur-Enkeln einen besseren Start ins Leben.

Fazit:

Ja, es gibt Schöneres im Leben als ein maulendes, ewig unzufriedenes Kind. Andererseits hat es durchaus seinen Sinn, dass es Kindern mal nicht gut geht und sie ihre Bezugspersonen darauf aufmerksam machen, weil sie sich Hilfe erhoffen.

Das müssen wir ein Stück weit als naturgegeben akzeptieren. Vielleicht können wir sogar dankbar dafür sein, dass wir diese Art der Hilfestellung bei der Begleitung unserer Kinder ins Leben überhaupt erhalten. Ohne diese Hinweisgeber würden wir ja gänzlich im Dunklen tappen und könnten unserem Kind gar nicht zur Seite stehen.

Dann gibt es einige Faktoren, die dazu führen können, dass wir die kindlichen Unmutsbekundungen besonders schlecht ertragen können. Mit diesen Faktoren können wir besser umgehen, wenn wir uns der Hintergründe und Wirkungsweisen bewusst sind. 

Der Text berührt dich und du möchtest gerne einige der genannten Punkte umsetzen. Aber du hast das Gefühl, du brauchst dabei Unterstützung? Vielleicht magst du beim nächsten Durchgang des Jahresprogramms "Bewusster leben als Mama" dabei sein? 

Welche der acht genannten Punkte treffen auf euch zu? Kommen dir noch weitere in den Sinn? Was ist dein Fazit? Ich freue mich über deinen Kommentar!

Autorin Lena Franck

Ich bin Mama-Coach und selbst Mama dreier Kinder, die 9 Jahre, 7 Jahre und 2 Jahre alt sind. Ich unterstütze Mamas dabei, sich wieder zufriedener und ausgeglichener zu fühlen, um für ihre Kinder endlich die entspannte und fröhliche Mama sein zu können, die sie sich eigentlich für sie wünschen. Denn eine zufriedene Mama ist die beste Mama, die du sein kannst!

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  1. Vielen lieben Dank für diesen differenzierten und sehr hilfreichen Artikel, Lena! Du hast mich an vieles wieder erinnert, das bei mir schon wieder überlagert wurde und auch neue Impulse gegeben. Deine innere Haltung machen den Artikel auch sehr wertvoll. Ich bin dir für deine Arbeit sehr dankbar und werde noch etwas weiter stöbern 😉

    1. Oh, liebe Melle, wie sehr ich mich über deine Worte freue! Tausend Dank und viel Spaß noch beim Stöbern 🙂

  2. Wow! Vielen Dank Lena für diesen tollen Artikel! Es tut einfach gut zu lesen was in mir abläuft und wie ich Sachen einordnen kann, wenn ich mich mal nicht gut fühle. Bei mir ist vor allem der letzte Punkt ein wichtiger, aber auch die anderen finde ich hilfreich. Nochmals vielen Dank! Einen Artikel, den ich als Favorit für mich markiere, damit ich ihn immer mal wieder lesen kann☺️

  3. Vielen Dank Lena für diesen, Mal wieder, so tollen, hilfreichen Blog-Post.
    Auch ich hab mich schon oft gefragt, warum denn dieses Genörgel nicht aufhört, obwohl doch alles "toll" ist.

    1. Lieben Dank, Kaja, für deinen Kommentar! Ich freue mich, dass du meine Blog-Posts hilfreich findest 😀

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